Viele Betroffene von Ritueller Gewalt haben ein unauffälliges Doppelleben. Das innere Persönlichkeitssystem der Dissoziativen Identitätsstruktur und ebenso das äußere Leben sind getrennt in eine Kultwelt und eine Alltagswelt. Alltagspersönlichkeiten wissen i. d. R. zunächst nichts von der Gewalt und haben ein mehr oder weniger „normales“ Alltagsleben. Viele Kultpersönlichkeiten kennen nur Situationen der Kultwelt (z.B. Rituale oder Zwangsprostitution). Andere Kultpersönlichkeiten sind darauf trainiert, die Alltagswelt zu beobachten und einzugreifen, wenn eine Situation für die Täter gefährlich werden könnte.

Die massiven Gewalterfahrungen führen jedoch häufig auch zu Beeinträchtigungen im Alltagsleben. So können körperliche Schmerzen und weitere psychosomatische Symptome auftreten. 

Bilder, Gerüche, Todesangst können als Flashbacks oder Alpträume trotz der inneren dissoziativen Barrieren die Alltagspersönlichkeiten beeinträchtigen. Erinnerungslücken und unerklärliche körperliche Verletzungen kommen hinzu. Manchmal suchen Betroffene dann Hilfe in Arztpraxen oder bei TherapeutInnen, ohne selbst die Hintergründe zu kennen.

Weitere Informationen: 

Beitrag einer Expertin in eigener Sache: Leerstellen.  (15.10.2014), zum Download hier: http://www.psychotrauma-kiel.de/index.php?page=arbeitskreis-gegen-rituelle-gewalt

Fliß, C., Igney, C. (2011): Rituelle Gewalt – Welche spezifischen Folgen hat diese Form der Gewalt für die Betroffenen? In: S.I.E. e.V. (2011): Rituelle Gewalt. Vom Erkennen zum Handeln. Dokumentation der Tagung vom 6. November 2009 in Trier. (S. 42-64), Lengerich: Pabst Science Publishers.

Fröhling, U. (2008): Vater unser in der Hölle. Bergisch-Gladbach: Bastei-Lübbe. (Erfahrungsbericht)

Leonie (2012): Ausstieg aus der Hölle. Mein Weg aus dem Dunkel ins Licht. Berlin: Wagner. (Erfahrungsbericht)

Lindstrom, Helen & Sniehotta, Jutta (2016): Abwegig. Überleben und Therapie bei ritueller Gewalt. Kröning: Asanger. (Erfahrungsbericht)

Smith, M. (1994): Gewalt und sexueller Missbrauch in Sekten. Zürich: Kreuz. 

aktuelles Forschungsprojekt 2017-2019: Professionelle Begleitung von Menschen, die sexuelle Gewalt und Ausbeutung, im Besonderen organisierte rituelle Gewalt erlebt haben: Die Perspektive der Betroffenen und der Fachkolleg_innen. Weiter Infos hier.